Verschärfter Wettbewerb bei den Krankenkassen

28. Oktober 2014

Über den verschärften Wettbewerb unter den Krankenkassen und Neuerungen bei den Krankenkassen informierten sich rund 50 Mitglieder der Mittelstandsvereinigung Rheinisch-Bergische Kreis bei der Barmer GEK in Bergisch Gladbach. Denn zum 1.1.2015 wird der einheitliche Beitragssatz von 15,5 % wieder abgeschafft und der Bundeszuschuss vom Gesetzgeber gesenkt. Das heißt, bald werden die Kassen wieder unterschiedliche Beitragssätze erheben. Es gibt Krankenkassen, die haben Überschüsse, und dann Krankenkassen, die haben keine Überschüsse. Dies hängt auch von der Struktur der Versicherten ab.

„Unser teuerster Patient hat 2013 Kosten von 800.000 € verursacht“, gab Regionalgeschäftsführer Uwe Benn ein beeindruckendes Beispiel. MIT-Mitglied Friedrich Wilhelm Morgner fragte daraufhin, welcher Patient ihm der liebste sei? Nach der Einnahmestruktur sei z.B. der an Diabetes Typ II erkrankte Patient einer der  Versicherten der Krankenkassen, für den sie eine höhere Zuweisung erhielten, antwortete Benn. Man kümmere sich aber natürlich um jeden Patienten gleichermaßen.Die Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds richten sich nun mal eben nach Alter, Geschlecht und Morbidität.

Um beim Wettkampf mithalten zu können, will die Barmer GEK zukünftig 250 bis 300 Millionen € jährlich einsparen. Außerdem sollen von 17.000 aktiven Mitarbeiterstellen  bis 2018 insgesamt 3500 sozialverträglich abgebaut werden. Durch eine Neuorganisation der „Kundenkontaktwege“ sei man dennoch künftig für die Versicherten immer gut zu erreichen, versicherte Benn, der für den Rheinisch-Bergischen Kreis, Oberbergischen Kreis, Rhein-Sieg und Leverkusen zuständig ist. Dafür würden Telefongeschäftsstellen und Onlinegeschäftsstellen, aber auch mobile Kundenberater sorgen, die in Firmen oder nach Hause kämen. Jeder Versicherte könne die BARMER GEK innerhalb von 20 Minuten erreichen. Er selbst werde nicht in Bergisch Gladbach bleiben, sondern in Zukunft das neue Barmer GEK Fachzentrum für Pflege in Bonn leiten, verriet Benn. Pflege sei ein besonders wichtiges Thema.

„In der Pflege gibt es einen dramatischen Mangel“, bestätigte Peter Preuß, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. „Gerade erst hatten wir eine Anhörung von Experten im Landtag zu der Frage, ob man die Ausbildung von Altenpflegern und Krankenpflegern zusammen legen kann.“ Auch den verschärften Wettbewerb konnte bestätigen: „Von den Krankenkassen wird ein Mehr an Leistung erwartet,“ so der Landesabgeordnete.

Gesundheitsberaterin Miriam Nolte sorgte mit einigen kleinen Bewegungsübungen dann für eine kurze Pause, nach der man sich auf das zweite wichtige Thema des Abends konzentrierte: Die Zunahme von Burn-out- und Stress-Syndromen. Diplom-Psychologe Stefan Brandt riet dazu, den Job zu „ent-emotionalisieren“. Nicht leicht für Selbstständige oder Unternehmer! Aber je eher die Burn-out-Gefahr entdeckt wird, desto leichter ist es, entgegenzusteuern. Schon in einer ganz frühen Phase haben Stressgefährdete das Gefühl, nie Zeit zu haben und es fällt ihnen schwer, nach Feierabend abzuschalten. In dieser Phase könne man aber durch Neinsagen, sinnvolles Delegieren und privaten Ausgleich – vor allem sportliche Betätigung –  noch gegensteuern, hieß es.